Streuobst

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Die Streuobstwiese – ein Erlebnis für alle Sinne

Am Nachmittag des 23.09. fand als erste Veranstaltung der Erwachsenenbildung unserer Pfarrei ein Vortrag über die Streuobstwiese in Geschichte und Gegenwart statt, und zwar mit Begehung sowie einer abschließenden Obst- und Backprobe.

Zu Beginn hielt Armin Pfreundner bei strahlendem Wetter mitten in seiner Streuobstwiese einen Vortrag über die Merkmale, die Vorgeschichte, die Entwicklung und den Wert der Streuobstwiese.

Der Referent legte den Beginn unserer Kernobstsorten auf deren Ausdifferenzierung aus der Familie der Rosaceae fest. Sie zeichnen sich durch einen bestimmten Chromosomensatz in den Geschlechts - und Körperzellen aus. Beim Apfel sind zunächst Vorläufer unseres Wildapfels (z.B. malus fossilis) nachweisbar, aus denen sich dann ca. 30 Wildapfelsorten herausentwickelt haben. Diese Evolution vollzog sich in Asien, und zwar ausschließlich auf der nördlichen Halbkugel. Die weitere Verbreitung des Wildapfels erfolgte dann in der Völkerwanderung.

Bei der Weiterentwicklung zur Kultursorte (malus domestica) spielten  die Perser, Griechen und vor allem die Römer eine wichtige Rolle. Über Gallien kam  der Apfel schließlich nach Germanien, wo die Pomologie vor allem von den Klöstern und Herrschern (z. B. Karl dem Großen und Kaiser Barbarossa) gefördert wurde.

In der Neuzeit waren Bürger führend im Obstanbau. Obst züchtende Pfarrer, Lehrer, Gelehrte und Ärzte trieben den wissenschaftlichen Obstanbau voran. 1841 kannte man bereits 1429 Apfel – und  864 Birnensorten. Die eigentliche Verbreitung der Streuobstwiese wurde erst mit der Bodenreform im 17. und 18. Jahrhundert ermöglicht. Jetzt waren  die Grundbesitzer  in der Lage, den Obstanbau vom Garten in die freie Landschaft auszuweiten. In der kriegsbedingten Versorgungskrise während der beiden Weltkriege und in den Nachkriegsjahren kam den Streuobstwiesen  eminente Bedeutung zu.

Seit den 50-er Jahren aber gingen die Streuobstwiesen ständig zurück. Die Gründe hierfür waren die Industrialisierung der Landwirtschaft und die Bebauung der Ortsränder. Es gab zeitweise  sogar staatliche Rodungsprämien.

Erst mit der Ökowelle nahm die Wertschätzung der Streuobstwiesen wieder zu. So konnte unsere typisch fränkische Kulturlandschaft noch weitgehend erhalten bleiben.

Abschließend hob der Referent den ästhetischen, ökonomischen und ökologischen Wert der Streuobstwiesen hervor und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass uns diese ökologischen Oasen und Nischen noch lange erhalten bleiben mögen.

Nach dem Vortrag schloss sich ein Gang durch die Römersreuther Streuobstwiese an. Dabei wurden verschiedene Apfel-, Birnen- und Zwetschgensorten begutachtet und verkostet. Anschließend konnte man einen Naturkeller als optimale Möglichkeit der Obstlagerung besichtigen.  Zum Abschluss wurden verschiedene Verwertungsmöglichkeiten des Obstes gezeigt und probiert. Die Qualität frisch gepressten Apfelmostes von ungespritzten Streuobstäpfeln erwies sich als deutlich besser als die der gängigen handelsüblichen Angebote. Interesse fand auch die Möglichkeit des Konservierens mit einer elektrischen Dörre, bei der der Obstgeschmack erstaunlich intensiv erhalten werden kann. Sehr gut schmeckte allen  ein  frisch gebackener Apfelstrudel mit Sahne, zu dem Tee und Kaffee gereicht wurden.

Schade, dass nicht mehr Teilnehmer zu diesem Fest der Sinne gekommen sind!

 

Ursula Preundner

 

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Letzte Änderung: 29. Dezember 2005
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