Strickkreis

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Das Land in dem die Leute Steinsuppe essen…

…ist die Heimat von Pfarrer Vicente Zacaron. Der katholische Geistliche lebt in Juiz de Fora, einer Großstadt mit 450.000 Einwohnern in Brasilien. Seit dem 17. Juni ist Pfarrer Zacaron in Deutschland, denn er vertritt Priester in Bamberg und Eggolsheim in deren  wohlverdienten Urlaubszeit. Die Frauen des Strickkreises unserer Kirche hatten ihn ins Pfarrheim eingeladen, denn der Erlös aus dem Verkauf ihrer Handarbeiten soll in Brasilien vielen Menschen helfen. Pfarrer Zacaron nutzte die Einladung um über sein Land und seine Arbeit zu berichten.

Zacaron hat gute Verbindungen ins Fränkische, der 63-jährige absolvierte sein Studium von 1964 bis 1968 in Bamberg im Priesterseminar.

Brasilien ist ein riesiges, reiches Land, 26mal größer als Deutschland. 180 Mio Einwohner, davon 54 Mio Analphabeten und 35 Mio Menschen die dem Verhungern nahe sind. Dabei könnte man mit den ausgezeichneten Ernten, so der Priester in seiner Ausführung, alle ernähren. Aber fast alles muss ins Ausland verkauft werden, um einen riesigen Schuldenberg zu tilgen.

Die Probleme des Landes stützen sich auf vier Säulen Korruption, Bestechung, Rauschgift und eine immens hohe Arbeitslosigkeit.

Straßenkinder seien das größte Problem in Brasilien. Um wenigstens einigen eine Hoffnung auf ein lebenswertes Leben zu geben, hat der Bürgermeister von Juiz de Fora und die Kirchen ein Haus gebaut, in dem Essen für die Kinder angeboten wird. Die Kinder genießen aber auch die Freiheit auf der Straße, denn durch ein neues Gesetz ist es in Brasilien verboten einem Straßenkind auch nur zu nahe zu treten. Dies wird nun von Drogendealer schamlos ausgenutzt, denn sie missbrauchen die Kinder als unberührbare Drogenkuriere. Mit Waffen ausgerüstet werden diese Kinder zu lebenden Zeitbomben. Skrupellos töten sie andere Menschen, wenn die nicht sofort alles hergeben. Das Leben hat für Straßenkinder in Brasilien keinen Wert.

Pfarrer Zacaron unterhielt sich einmal mit einer Frau und fragte diese, was sie wohl zu Essen kochen würde. Sie antwortete, es gebe heute Steinsuppe. Das Rezept erklärte sie so: Man nehme heißes Wasser, gebe einige Steine hinein, koche es gut auf und salze die Suppe dann. Anschließend nehme man die Steine wieder heraus.

Natürlich wird das nicht gegessen, erklärte Zacaron den erstaunten Damen des Strickkreises, aber es ist einfach eine andere Erklärung für: Ich habe nicht was ich kochen könnte!

Trotzdem berichtete der Priester von einem fröhlichen Volk, das durch seine Mentalität das Leben genießt. Denn Brasilianer können fantastisch Samba tanzen und sind tolle Fußballer, sagte er mit großem Nationalstolz. Mit der Zufriedenheit ist wie überall auf der Welt, wer wenig hat ist froh, dass er es hat und wer viel hat, braucht unbedingt noch mehr davon.

In Brasilien müssen die Arbeitnehmer keine Kirchensteuer bezahlen, die Kirche finanziert sich ausschließlich durch freiwillige Spenden. Die Gemeinde von Pfarrer Zacaron, Pfarra Nossa Senhora do Libanon, zählt 10500 Mitglieder. Täglich werden mehrere Messen gehalten. Und dennoch ist die 800 Leute fassende Kirche nicht voll. Denn auch in Lateinamerika klagt die katholische Kirche über die Abwanderung der Gläubigen zu Sekten, die viel versprechen und wenig halten.

Aber wenn Pfarrer Zacaron einmal in der Woche Kindergottesdienst hält, dann ist der Teufel los in der Kirche. 200 bis 250 Kinder lassen ihrem Temperament freien Lauf und die Kirche bebt. Nur mit Singen und Beten sei dem Geräuschpegel etwas Herr zu werden, schmunzelte der Priester, wenn dann mal zur Wandlung hingekniet wird, geht es schon wieder rund in den Bänken.

In den Schulen Brasiliens gibt es keinen Religionsunterricht. Katholischer Religionsunterricht wird in dem Pfarrzentrum der Kirchengemeinde erteilt. Das tun ausschließlich 80 ausgebildete Laien und zusätzlich einige Ordensschwestern. Überhaupt ist das freiwillige Engagement in seiner Gemeinde groß und nicht wegzudenken. Irgendwie muss das alles finanziert werden und so ist Pfarrer Zacaron sehr froh über die stetige finanzielle Unterstützung aus Deutschland. Fünf Projekte werden so gefördert. 25 besonders bedürftige Familien werden mit Lebensmitteln versorgt. Ein Haus für Aidskranke wurde gebaut. Unterernährte Kinder bekommen aufbauende Lebensmittel und Vitamine. Einem jungen Mann wird die Ausbildung zum ständigen Diakon ermöglicht. Und auch in den Aufbau seines Pfarrbüros wird einiges gesteckt. Da fehle es noch an Wartemöbeln, einem Tisch und einem Schrank.

Jetta Leppert vom Strickkreis sagte zum Schluss, nun sei man sicher, dass das Geld, immerhin 1000 Euro, gut verwendet werde und bedankte sich für den höchst interessanten Vortrag bei Pfarrer Zacaron. Jede Zusammenkunft des Kreises bringe viel Freude und wenn man mit dem Verkauf der Handarbeiten noch etwas Gutes tun kann, was will man mehr. Als Gastgeschenk überreichte der Priester ein handgefertigtes Windspiel, das künftig den Kolpingraum des Pfarrheimes schmücken wird.

Rosi Korkisch

 

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Letzte Änderung: 18. Juli 2005
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