Kaplan Thomas freute sich über den Besuch „seines“ Erzbischofs
Eigentlich
hatte Kaplan Thomas Karukayil erst vor wenigen Wochen „seinen“ Erzbischof in
Indien besucht, als er Urlaub in seiner Heimat machte. Dennoch war die
Wiedersehensfreude mit dem syro-malabarischen Geistlichen groß.
Perumthottam
kommt aus Changanacherry, einem der ältesten Bistümer der syro-malabarischen
Kirche und erzählte in der Heiligen Messe von seinem Bistum. Dort gibt 382.000
Katholiken und 188 Pfarreien. Die Kirchen sind jeden Sonntag gefüllt, viele
Kinder gehen in die Messen, so der Erzbischof.
Besonders
stolz war Dr. Joseph Perumthottam, dass die Priesterseminare in Indien voll
sind. „Zur Zeit sind wir mit 200 Seminaristen im Priesterseminar gesegnet. Jedes
Jahr werden zwölf junge Männer zum Priester geweiht“, so Perumthottam. Tausende
junge Priester und Ordensleute aus Indien leisten missionarische Arbeit.
In seinen
Ausführungen erklärte der Erzbischof, dass er selbst der syro-malabarischen
Kirche angehört, das ist eine der 22 Ostkirchen, die zur katholischen Kirche
gehören. In der Liturgie gäbe es einige Unterschiede. „Die Messen sind in Indien
länger“, verriet der Erzbischof, doch in Stadtsteinach beschränkte er sich auf
das Wesentliche und hielt sich an die üblichen liturgischen Vorgaben.
In diesem
Jahr feiert sein indisches Erzbistum im Südwesten Indiens sein 125-jähriges
Bestehen, erklärte der Bischof. Die Kirche in Indien engagiert sich für die
Ausbildung der Priester, für die Ausbildung armer Kinder. Sie leistet
Gesundheitsvorsorge. Für diese sozialen Projekte erbat der Erzbischof die
Kollekte. Viele Aufgaben sind nur mit der Unterstützung aus dem Ausland zu
bewerkstelligen, so der Erzbischof.
Doch auch
persönliche Dinge verriet der Erzbischof. So ist er neun Stunden nach
Deutschland geflogen, besucht in Deutschland seine Pfarrer sowie Ordensleute.
Allein im Erzbistum Bamberg leisten zwölf Pfarrer aus Indien Dienst, doch der
indische Erzbischof war auch schon in München, in Münster, in Karlsruhe.
In der
Fastenzeit, so der Erzbischof, esse er kein Fleisch, denn diese Zeit ist eine
Zeit der Umkehr und Buße, so Dr. Joseph Perumthottam. Dennoch ließ er sich gerne
von Dekan Hans Roppelt und Kaplan Thomas in ein Stadtsteinacher Traditionslokal
ausführen.
Der
Erzbischof hatte zu seinem Besuch nach Stadtsteinach auch einen langjährigen
Freund und Bekannten des Stadtsteinacher Kaplans Thomas mitgebracht: Pfarrer
Cyriac Chittuhalam. Er ist in Seinsheim bei Würzburg Pfarrer. „Wir kennen uns
schon so lange. Wir waren zusammen im Priesterseminar“, freute sich auch Pfarrer
Cyriac Chittuhalam über ein Wiedersehen mit seinem Kollegen.
Dekan Hans
Roppelt bezeichnete den hohen Besuch als besondere Ehre, schließlich habe der
Priesteraustausch mit Indien eine lange Tradition. Vor sechzig Jahren war der
spätere, inzwischen aber schon pensionierte, indische Kurienkardinal Lourdes
Samy als Urlaubsvertretung in Stadtsteinach, erzählte Dekan Hans Roppelt. Und
zudem stehe das Erzbistum Bamberg seit zwanzig Jahren in regem Kontakt mit
Indien, regelmäßig werden indische Priester in Deutschland ausgebildet. Auch der
Vorgänger Pater Samuel kam aus Indien, allerdings aus einer anderen Diözese —
genau vom anderen Ende Indiens.
„Ich bin sehr
glücklich, dass mein Erzbischof heute hier sein kann, denn Stadtsteinach ist ja
meine erste Stelle“, freute sich Kaplan Thomas Karukayil. Thomas Karukayil gibt
ein Drittel seines Gehaltes an die indische Erzdiözese. Von diesem Geld wird ein
Seniorenheim für Pfarrer unterhalten, erzählt der erst 33 Jahre alte Kaplan. Und
auch einige Erinnerungen wurden wach. Denn Kaplan Thomas hatte den heutigen
Erzbischof als Fortbildungsleiter im Priesterseminar erleben können, damals war
er noch einfacher Pfarrer.
Dr. Joseph
Perumthottam wurde 2002 zum Auxiliarbischof geweiht und 2007 zum
Erzdiözesanbischof.
Viel Zeit
allerdings hatte der Erzbischof in Stadtsteinach nicht mitgebracht. Denn schon
am Nachmittag wollte er einen indischen Priester in Schesslitz besuchen. Am 21.
März ist dann in Baiersdorf ein Treffen aller indischen Priester aus der
Erzdiözese Changanacherry. Und von dort aus möchte der indische Erzbischof
weiter zum Papst reisen und wird ihm dort einen Bericht über die pastoralen
Angelegenheiten vorlegen – in einer persönlichen Audienz. Für den indischen
Erzbischof ist Papst Benedikt kein neues Gesicht. Denn auch in seiner Funktion
als Kardinal hatte der indische Erzbischof den deutschen Papst schon getroffen.

Sonny Adam