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Protokollder gemeinsamen Sitzung von PGR und KV St. Michael, Stadtsteinach sowie von PGR und KV Maria Heimsuchung, Untersteinach
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Josef Batzer, Wolfgang Bobek, Dr. Beatrix Carlé, Lukas Carlé, Manfred Korkisch, Emmi Kraus, Georg Reuther, Reinhold Rogen, Regina Stumpf, Toni Winkler |
anwesende PGR USAN:
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Dr. Helmut Bock, Anita Monken, Gislinde Schuster-Namer, Sonja Seifert |
anwesende KV SAN:
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Judith Büttner, Josef Dremer, Rudolf Graß, Hubert Kraus, Georg Reuther (auch PGR SAN) |
Hauptberufliche:
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Marianne Hattinger, Beate Ott, Hans Roppelt, Oliver Schütz, Dr. Josef Zerndl |
Nach der gemeinsamen VAM in St. Michael begrüßt Pfarrer Hans Roppelt die Räte der beiden Gemeinden Stadtsteinach und Untersteinach aufs Herzlichste im Pfarrheim SAN. Insbesondere heißt er den Vertreter des Domkapitels Regionaldekan Domkapitular Dr. Josef Zerndl willkommen. Den Worten Pfarrer Hans Roppelts zufolge fanden im Laufe des Tages bereits viele Gespräche über die beiden Gemeindeleben statt. „Ungeschönt“ habe er die Situationen dargestellt und aufgezeigt, wie sich die Seelsorge in SAN und USAN gestaltet. Er machte auch deutlich, dass er „als Pfarrer kein Einzelgänger ist“, sondern vielmehr „mit vielen vertrauensvoll zusammenarbeiten darf“.
Der Stadtsteinacher PGR-Vorsitzende Reinhold Rogen erinnert kurz an frühere Zeiten, in denen laut Archivakten Visitationen im alten Landratsamt stattgefunden und drei Tage gedauert haben. Als „alter Lateiner“ grenzt er die unterschiedlichen Bedeutungen, die den Worten visitare, visitatio, -onis und visum zukommen, ab: Wohingegen visitare soviel wie besuchen, genau besehen, in Augenschein nehmen heißt, kann visitatio mit Besuch bzw. Heimsuchung (!) übersetzt werden. Visum hingegen steht für Sinneseindruck, Traumbild und Vision. Diese Vision kommt auch in der gemeinsam gesungenen alte indianische Weisheit „Jeder Teil dieser Erde“ zum Ausdruck.
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Dr. Josef Zerndl knüpft an die Bedeutungsdefinition an und erklärt den humoristischen Unterschied zwischen Visite und Visitation bzgl. der differenten Besuchsabsichten von Schwiegervater und –mutter. |
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Seinen Worten zufolge will auch der Papst durch seine vielen Reisen während seines über 20jährigen Pontifikats zum Ausdruck bringen, dass es wichtig ist, sich gegenseitig zu besuchen und sich für einander zu interessieren. „Zusammenhalt ist nur gewährt, wenn man sich gegenseitig in der eigenen Lebensform wahrnimmt.“ Eigentlich ist es Aufgabe eines jeden Bischofs, alle fünf Jahre alle Pfarreien seines Bistums einmal zu besuchen. Dass dies die Alt-Erzbischöfe Prof. Dr. Josef Schneider, Dr. Elmar-Maria Kredel und Dr. Karl Braun aus zeitlichen Gründen nicht geschafft haben, verdeutlicht der Regionaldekan. Mittlerweile werden die Pfarrei-Visitationen subsidiär vollzogen: Die Pfarreien und Gemeinden werden vom jeweiligen Dekan visitiert. Die Pfarreien der Dekane wiederum vom zuständigen Regionaldekan. Dr. Josef Zendl: „Es ist jedoch egal, wer die Visitationen durchführt.“ Wichtig ist, dass sie stattfinden und an die Bistumsleitung berichtet wird. |
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Im folgenden berichtet der Domkapitular, was er im Lauf des Tages bereits alles gesehen, gehört und erlebt hat. So wurden nicht nur die Pfarrbücher auf korrekte Führung untersucht, sondern auch die beiden Gotteshäuser und die sozialen Einrichtungen besucht. Er kam zu der Erkenntnis, dass die Pfarrei gesellschaftlich sehr stark verwurzelt und auch sehr vielfältig gestaltet ist. Das vor vier Jahren gesteckte Ziel, eine „einladende Gemeinde zu werden“ besteht nach wie vor. Hier sollen in Zukunft auch verstärkt die Russland-Deutschen in Augenschein gezogen werden. Dass noch viel Energie und Euros in die Innenrenovierung von St. Michael und die Gestaltung des Pfarrensembles sowie die Renovierung es Pfarrheims fließen muss, ist außer Frage. Positiv ist ihm auch das gute Miteinander von PGR und KV aufgefallen. In diesem Zusammenhang ging er mittelkurz auf die geschichtlichen Hintergründe von KV und PGR ein: Dass es seit 1830 die Institution der KV gibt, ist auf König Ludwig zurückzuführen, der die starren Restriktionen seines Kultusministers Mongelat wieder lockerte und den Pfarreien wieder mehr Eigenverantwortung verlieh. Dazu setzte der Kirchenpfleger ein. Grundsätzlich greift der Staat nicht in die pekuniären Angelegenheiten von Pfarreien ein. Sie sind sogenannte Selbstverwaltungsorgane des öffentlichen Rechts. Nach dem zweiten Vatikanum entstand aus der „Katholischen Aktion“ schließlich der PGR. Dr. Josef Zerndl hält nichts von Bestrebungen, diese beiden Gremien zu einem zu verschmelzen, wie beim BaP häufig gefordert. |
Um Herrn Dr. Josef Zendl einen Einblick zu gewähren und weil seit der Abschaffung es 8.00 Uhr-Gottesdienstes eine derartige gemeinsame Sitzung nicht mehr stattfand, stellen sich die anwesenden Räte sowohl persönlich als auch ihre Aufgabenschwerpunkt in SAN bzw. USAN vor. Auf eine Protokollierung wird aber aus Komplexitätsgründen verzichtet.
Dr. Josef Zendl ruft auf, viele junge Mitarbeiter zu finden, die die Gemeindeleben mitgestalten. „Familien zu gewinne ist unsere große Chance“, so der Pfarrer von St. Hedwig, Bayreuth. St. Michaels PGR-Vorsitzender Reinhold Rogen spricht von der abwechslungsreichen Gottesdienst-gestaltung, „einem Hobby des Pfarrers“. Pfarrer Hans Roppelt verdeutlicht den schleichenden aber durchaus erkennbaren jährlichen Kirchenbesucherschwund. Auch fehlt der Bezug zu den Neubaugebieten in USAN und SAN. „Wir müssen missionarisch tätig sein! Weg von der Sammlung, hin zur Sendung!“ Klar ist, so der Regionaldekan, dass sich Christsein nicht mehr am Gottesdienstbesuch messen lässt. „Wichtig ist, von der ‚Zählsorge’ zur Seelsorge zu kommen!“ Wir müssen die Kirche hinaustragen, diese Chance nutzen und den Menschen etwas anbieten – jedoch „ohne moralische Schuldzuweisungen“! Als Gradmesser müssen andere Dinge wie z. B. auch der Kiga, die SST und das AH der Caritas, Aktivitäten, ökumenische Veranstaltungen, etc. dienen.
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Auf die Frage von Frau Dr. Beatrix Carlé, warum die Bischofsnachbesetzung sich als so zeitintensiv gestaltet, ging Dr. Josef Zendl erklärend ein und stellte den Gang der kirchlichen Bürokratie dar: Grundsätzlich sind die Meßlatten für Bischofsaspiranten mittlerweile sehr hoch angesetzt, was sich im Zeitfaktor niederschlägt. Erzbischof Schneider beispielsweise wurde bereits sechs Wochen nach dem Tod seines Vorgängers ernannt. Das derzeitige Verfahren sieht folgendermaßen aus: Anfang Juli gab + Karl seinen Rücktritt bekannt. Ende Juli erstellte das Domkapitel in geheimer Wahl eine Liste, die sich aus Vorschlägen des Priesterrates, des Diözesanrates und des Domkapitels zusammensetzt. Diese wurde anschließend von Domdekan Alois Albrecht an den deutschen Nuntius übersandt. Zusätzlich können auch alle anderen bayerischen Bischöfe eigene Listen in der Nuntiatur abgeben. Aus unbestätigten Quellen war zu erfahren, dass die Nuntiatur sich für jeden (!) der vorgeschlagen Kandidaten aus allen (!) Listen 25 (!) Referenzen und Beurteilungen von vertrauten Personen schreiben lässt. Daraus erstellt der Nuntius nach der Auswertung eine Dreier-Liste, die nach Rom an die Bischofskongregation und das Staatssekretariat geschickt wird. An dieser Stelle können auch noch die (Kurien-)kardinäle Einfluss nehmen und ihre Interessen mit einbringen. Der daraus erwachsene Vorschlag wird dem Papst vorgelegt. Im Falle eines „placet“ erfolgt die konkrete Anfrage und bei Zusage die Informierung der bayerischen Staatsregierung. Diese Regelungen sind im bayerischen Konkordat von 1924 bzw. 1918 fixiert. Eine Mitsprache der Domkapitel ist bei der konkreten Besetzung nicht gegeben. Im preußischen Konkordat hingegen schon. |
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Die Untersteinacher PGR-Vorsitzende Anita Monken, äußerte den Wunsch, in irgendeiner Art und Weise mehr Präsenz von seiten der Hauptberuflichen in USAN zu spüren. Sei es in Jugendgruppen, durch Residenzpflicht oder den Schulunterreicht. Pfarrer Hans Roppelt stimmt dem Problem der unverknüpften Parallelität insbesondere von Kommunionuntericht und Schulreligions-unterricht zu, weiß aber auch noch keine praktikablere Lösung. Dr. Josef Zerndl wartete mit dem Hinweis auf, evtl. zumindest kurz vor der Erstkommunion einige Religionsstunden in USAN seitens der Hauptberuflichen zu gestalten. Sowohl Pfarrer als auch Pastoralrefernt leisten mehr Unterrichtsstunden, als sie halten müssten. Reinhold Rogen macht deutlich, dass auch in SAN die kirchlich verwurzelten Religionslehrer abnehmen. Die bisherigen sind fast schon alle aus dem Dienst ausgeschieden. |
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Dr. Helmut Bock prangerte die Politik der Bistumsleitung an, dass die Zahl von nicht-geweihten pastoralen Mitarbeitern die Zahl der Kleriker nicht überschreiten dürfe. „Wenn dies beibehalten wird, spitzt sich gerade die Präsenz-Frage noch mehr zu!“ Hierzu erläuterte der Domkapitular, dass viele „Pastis“ sich ihre Stellen nach individuellen Gesichtspunkten aussuchen. Dadurch haben vermeintlich unattraktivere Stellen das Nachsehen. Das Problem ist, dass mehr Stellen frei sind und ausgeschrieben werden, als PR vorhanden sind. Diese soll aber durch gezieltere Ausschreibungsverfahren umgangen werden. Auch verdeutlichte der Bischofsvertreter, dass die Erzdiözese Bamberg im Vergleich aller deutscher Bistümer mit den höchsten Anstellungs- und Ausbildungszahlen bei PRs aufwarten kann. |
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Für sehr notwendig erachtet Dr. Helmut Bock die Qualifizierung von Laien. Hier hat er sich noch mehr Unterstützung erhofft. Pfarrer Hans Roppelt erläutert kurz die unterschiedlichen Arten der Ausbildung. Da der „Idealzustand“ hinsichtlich sonntäglicher Eucharistiefeiern im Dekanat Kulmbach noch gegeben ist, entschloss sich das Konveniat nach einer Erhebung, keinen 1,5-jährigen Kurs durchzuführen. |
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Von USAN wurde darum gebeten, einen wesentlich schnelleren Datenaustausch zu gewähren. Um Zugezogene möglichst bald anzusprechen, ist es notwendig, auch möglichst rasch die Daten aus dem Ordinariat vor Ort zu haben. |
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Herr Hubert Kraus fragt bzgl. der bereits angesprochenen übermäßigen Kürzungen der Pfarreizuschüsse und der damit verbundenen Budgetierung nach. Domkapitular Dr. Zendl versteht den Missmut der Gemeinden. „Wahrscheinlich ist das zu wenig vor Ort und am grünen Tisch geplant worden.“ Für die anwesenden Räte war das Vorgehen inhaltlich und strukturell jedenfalls äußerst „seltsam“ und „unverständlich“. „Man hat das Gefühl, es seien Amateure am Werk“, „man fühlt sich als Ehrenamtliche Mitarbeiter nicht mehr ernstgenommen“ und ist gleichsam verpflichtet, „Widerstand“ zu leisten. |
Zum Abschluss der Sitzung bedankt sich Pfarrer Hans Roppelt bei Dr. Josef Zerndl und überreicht ihm einen Kirchenführer von St. Michael und eine Kerze mit dem Motiv der Stadtpfarrkirche. Dieser wiederum dankt den anwesenden Räten aus SAN und USAN für deren Diskussionsbereitschaft und Engagement und verspricht, die Anliegen der beiden Gemeinden, die im Laufe des Abends angesprochen wurden, im „Allgemeinen Geistlichen Rat“ einfließen zu lassen. Er habe zwar kein Ressort in der Bistumsleitung, könne aber durch Gespräche sicherlich etwas bewirken.
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gez. Reinhold Rogen |
gez. Lukas Carlé |
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Vorsitzender |
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