Faschingspredigt
Das Dutzend ist voll! Zum zwölften Mal fand in der restlos
besetzten Stadtpfarrkirche St. Michael am Samstag ein Faschingsgottesdienst
statt und Dekan Hans Roppelt glänzte wieder mit einer ganz besonderen Predigt in
Versform.
Zu Beginn hieß der Geistliche jeden herzlich willkommen: „Ich
grüß die Großen und die Kinner, ich grüß die G’scheit’n und die Spinner, die
Flott’n, Schick’n und die Faden, die G’wählt’n und die Kandidaten,
Scherenschleifer, Kesselflicker, und die Kommunalpolitiker.“
In der Verkündigung des Evangeliums in einer ganz anderen
Art machte er den Gläubigen – darunter eine Abordnung der Faschingsgesellschaft
– die Werte des Lebens klar: „Des Wichtigsta auf dera Welt, des is net Kroft,
des is net Geld, des is net, dass mä vill besitzt, auf an hoha Post’n sitzt,
Reichtum, Macht und Karriere, Schulterklopfen, Ruhm und Ehre, wennstäs host,
dann lacht dei G’sicht, doch entscheidend is es nicht! Dass Gott dich liebt,
dass er dich mooch, des is entscheidend, glaab des doch! Wenn du des glaabst,
dann kummst du weit, des is die echte Seligkeit!“
Einen Tadel mussten anschließend die „Waafer“ über sich
ergehen lassen, die sofort jedes neue Gerücht gerne verbreiten: „Seelich sinn
do mancha donn, wenn mär na schlecht reden konn, und b’sonder’n Spaß macht des
Gereed, wenn’s ums Zusammenleben geht!“
Gekonnt und wie aus dem richtigen Leben trug der Priester
vor, wie die Tratscher bei dem Thema in ihrem Element sind: „Der Paul hot
seiner Edeltraud a riesengroß blaus Aach nokaut, denn die hot na, wos solli
soong, mit’n Bernd und Max betrong. Und der Moo vo der Susanne, der liebt etz
die Marianne. Und der Klaus, der Schwerenöter, schläft etz mit der Fraa vom
Peter. Und dem Ferdinand sei Klaaner, sei Fraa hot etz an Amer’kaaner. Die Susi
is aa net daham, die lebt etz mit am Türk’n zam. Und die Elisabeth, der Feger,
die kricht a Kind vo am schworz’n Neger!“
Den Schwätzern trug Roppelt an, sich doch an ihre eigene Nase
zu fassen: „Doch manche Sündenlosigkeit ist nur Mangel an Gelegenheit. Der Sotz,
der stimmt, denn mancher Waafer, is bloß noch auß’n hin a Braaver. Und mancha vo
die krumma Sach’n, die tät er soo gern selber mach’n!“
So schlug der Dekan vor, den Blasiussegen mal gänzlich
andersrum zu geben: er solle mal nicht davor schützen, dass etwas Schlechtes in
den Hals kommt, sondern davor, dass etwa Schlechtes aus diesem heraus kommt. „A
Segen gechä Tratscherei, der Blasiussegen als Arznei, ka Traatscherei mehr und
ka Waaf’n, aa net bei die Oberbrav’n, do strohlät unser Kerngverein, O
Selichkeit, getauft zu sein!“

Die musikalische Ausgestaltung des Faschingsgottesdienstes
übernahm auch heuer wieder die Jugendband St. Michael.
Rainer Unger

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